Lukow-Marsch 2018

Deutsche Neonazis bei Aufmarsch in Sofia

© https://www.flickr.com/photos/mikkelhansen/26453121848/in/album-72157663807684997/

Am 17.02.2018 fand der seit 2003 in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens von Neonazis organisierte Lukow-Marsch statt. Diese, immer Mitte Februar von bulgarischen Neofaschisten veranstaltete Demonstrationen, wurde in den letzten Jahren von extrem rechten Delegationen aus Deutschland, Polen, Italien und Schweden unterstützt.[1]

Die Neonazis gedenken mit dem Marsch Generalleutnant Christo Lukow, dem ehemaligen Führer der ultranationalistischen Partei „Bund der Bulgarischen Nationalen Legionen“ (SBNL). 1935 zum bulgarsichen Kriegsminister ernannt, knüpfte er früh Kontakte zur Führung des Nationalsozialismus und baute mit deren Hilfe die SBNL aus. Während des zweiten Weltkriegs, in dem sich Bulgarien zunächst durch diskriminierende Gesetzgebung gegenüber Jüdinnen und Juden an Nazideutschland anbiederte und 1941 auf dessen Seite in den Krieg eintrat, avancierte Lukow zum führenden Nazi-Kollaborateur. Am 13. Februar 1943 wurde er von den kommunistischen Partisan*innen Violeta Yakowa und Iwan Burudschiew erschossen[1].

Jährlich ziehen hunderte Menschen, teilweise in faschistische Uniformen gekleidet, mit Fackeln und bengalischen Feuern durch die Straßen Sofias, um Lukow zu gedenken. Auch dieses Jahr wurde die Teilnahme und Unterstützung einer deutschen Delegation angekündigt: Syndikat 52 [2][3], Die Rechte Dortmund [4], Patriotisches Dortmund [5] und die JN Niedersachsen [6] verkünden seit Freitag auf ihren Facebook-Seiten, daß man sich in Sofia befände, um die Kameraden zu unterstützen. Am Freitagabend fand vor dem eigentlichen Gedenkmarsch samstagnachmittags eine spontane Demonstration mit ca. 150 Teilnehmer*innen durch die Fußgängerzone von Sofia statt [4]. Bei dem Marsch am Samstag nahmen 35-40 Neonazis allein aus dem deutschsprachigen Raum teil. Diese traten in geschlossenen Reihen auf, erkennbar durch schwarz-weiß-rote Armbinden (s.o.) [7]. Während der Auftaktkundgebung hielt Sven Skoda, führender Kopf der Kameradschaftsszene in NRW eine Rede, die simultan ins Bulgarische übersetzt wurde. In dieser warb er u.a. für die Teilnahme an der Demonstration „Europa erwache“, die am 14. April in Dortmund stattfinden soll. Bereits seit einer Weile mobilisiert die deutsche Neonazi-Szene in anderen europäischen Ländern zu dieser Demonstration. Die deutsche Delegation bildete einen eigenen Block, nach vorne abgegrenzt durch ein „Gemeinsam für Europa“-Transparent (s.o.), welches schon letztes Jahr von deutschen Neonazis mitgeführt wurde.

Zwischen bulgarischen und deutschen, v.a. den Dortmunder Neonazis scheint eine sehr enge, freundschaftliche Beziehung zu bestehen. Die Zusammenarbeit findet hauptsächlich zwischen den beiden Parteien „Die Rechte Dortmund“ und der „Bulgarian National Union“ (BNU) statt. Aus den Reihen der Letztgenannten stammen die beiden Organisatoren (Plamen Dimitrow und Adronow Zwezdomir) des jährlichen Aufmarsches. Dimitrow trat im Juni 2016 beim Tag der deutschen Zukunft in Dortmund als Redner auf und warb dort für die Teilnahme am Lukow-Marsch 2017 [8]. Wie hoch die Beteiligung bulgarischer Neonazis an der Demonstration im April 2018 in Dortmund ausfallen wird, bleibt abzuwarten

Quellen:

[1] https://jungle.world/artikel/2018/06/stelldichein-fuer-neonazis
[2] https://www.facebook.com/syndikat52/posts/1979051849011355
[3] https://twitter.com/Klarmann/status/965156090857099264
[4] https://www.dortmundecho.org/2018/02/bulgarien-mobiveranstaltung-fuer-dortmund-demo-und-spontaner-aufzug-durch-sofia/
[5] https://www.facebook.com/patriotischesdortmund/videos/273654959835564/
[6] https://www.facebook.com/JnNiedersachsen/posts/1597035990345826
[7] https://www.flickr.com/photos/mikkelhansen/26453121848/in/album-72157663807684997/
[8] http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2017/02/26/deutsche-neonazis-bei-aufmarsch-in-bulgarien_23150
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